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Yogazeit: Wie Yoga dich dabei unterstützt, wieder bei dir anzukommen

10. Okt.
5 Min. Lesezeit

Manchmal braucht es gar nicht viel, um wieder ein Stück näher bei sich selbst anzukommen.

Einen Moment, in dem nichts erledigt, nichts optimiert und nichts gelöst werden muss. Einen Raum, in dem du nicht funktionieren musst, sondern einfach spüren darfst, wie es dir gerade geht.

Für mich ist Yogazeit genau das. Nicht nur Bewegung. Nicht nur Atmung. Und auch nicht der Anspruch, am Ende einer Stunde vollkommen entspannt von der Matte aufzustehen.

Sondern eine Einladung, innezuhalten, wahrzunehmen und wieder mehr Verbindung zu sich selbst zu finden.


Gerade in einem Alltag, in dem so viele Reize, Gedanken und Anforderungen gleichzeitig um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, kann dieser Raum besonders wertvoll sein. Vielleicht kennst du das Gefühl, ständig mit den Gedanken schon beim nächsten Punkt auf deiner Liste zu sein. Oder zu merken, dass du deine eigenen Bedürfnisse erst dann wahrnimmst, wenn eigentlich schon alles zu viel geworden ist.


Für manche Menschen gehört das zum Alltag, weil ihr Nervensystem Reize anders verarbeitet. Auch bei ADHS können beispielsweise innere Unruhe, eine intensive Reizwahrnehmung oder Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen Anspannung und Ruhe eine Rolle spielen. Doch unabhängig davon, wie unser Gehirn arbeitet oder wie unser Alltag aussieht: Wir alle brauchen Momente, in denen wir wieder bei uns selbst ankommen dürfen.

Yogazeit kann dafür einen Raum schaffen.


Yogazeit bedeutet …


Ein Reset.

Ein Moment des Innehaltens. Weg vom Funktionieren, hin zum eigenen Erleben.

Du musst nicht erst alles erledigt haben, bevor du dir Zeit für dich nehmen darfst. Du darfst mitten im Alltag pausieren, durchatmen und wieder ein bisschen mehr bei dir selbst ankommen.


Das Nervensystem unterstützen.

Durch bewusste, wohltuende Bewegung und Atmung kannst du deinem Körper neue Erfahrungen ermöglichen. Du kannst wahrnehmen, was dich belebt, was dich fordert und was dir hilft, dich wieder ausgeglichener zu fühlen.

Dabei geht es nicht darum, immer ruhig sein zu müssen. Sondern darum, mit der Zeit besser zu erkennen, was du gerade brauchst.


Das Rauschen des Alltags wird leiser.

Eine Pause von all den Reizen, Eindrücken und Gedanken, die den ganzen Tag auf dich einprasseln.

Vielleicht wird es tatsächlich stiller in deinem Kopf. Vielleicht bemerkst du deine Gedanken zum ersten Mal an diesem Tag ganz bewusst. Und vielleicht bleibt das Gedankenkarussell auch einfach noch eine Weile bestehen.

All das darf sein. Du musst nicht erst vollkommen zur Ruhe kommen, damit deine Yogapraxis wertvoll ist.


Ein ehrlicher Check-in bei sich selbst.

Wie geht es mir gerade? Was ist da? Was brauche ich?

Fragen, für die im Alltag oft wenig Raum bleibt. Auf der Matte darfst du ihnen begegnen, ohne direkt eine Antwort finden oder etwas verändern zu müssen.

Manchmal bemerkst du erst in der Bewegung, wie erschöpft du bist. Manchmal spürst du plötzlich neue Energie. Und manchmal wird dir bewusst, dass du schon viel länger eine Pause brauchst, als du dir eingestehen wolltest.


Raus aus dem Kopf, zurück in den Körper.

Über die Verbindung mit Atem und Körper wieder mehr Erdung und Zentrierung spüren.

Gerade wenn du viel nachdenkst, dich schnell in Gedanken verlierst oder deine Aufmerksamkeit ständig nach außen wandert, kann es wohltuend sein, die Wahrnehmung wieder auf etwas Konkretes zu richten: den Kontakt deiner Füße zum Boden, die Bewegung deines Atems oder das Gefühl, dich zu strecken und auszudehnen.

Du musst dabei nichts perfekt machen. Es geht ums Wahrnehmen, nicht ums Leisten.


Raum, um die Energien des Tages zu klären.

Bewegung kann dir helfen, Anspannung wahrzunehmen und neue Impulse zu setzen. Atem und bewusste Körperwahrnehmung können dich dabei unterstützen, Gefühle und Gedanken kommen und gehen zu lassen, ohne dich an ihnen festhalten zu müssen.

Nicht alles muss sofort verstanden, sortiert oder gelöst werden. Manches darf einfach erst einmal da sein.


Mit dem sein, was gerade da ist.

Ohne Wertung. Ohne Erwartungen. Ohne alles verstehen oder sortieren zu müssen.

Vielleicht bist du heute unruhig. Vielleicht müde, angespannt oder voller Energie. Vielleicht fällt es dir schwer, dich zu konzentrieren oder überhaupt zu spüren, was gerade in dir vorgeht.

Deine Praxis muss nicht jeden Tag gleich aussehen. Und du musst auch nicht jeden Tag gleich viel mitbringen.

Yoga darf sich an dich anpassen – nicht umgekehrt.


Ein Reminder, sanfter zu sein.

Wohlwollend und sanfter im Umgang mit dir selbst und anderen zu sein.

Du musst nicht jede Unruhe bekämpfen, jeden Gedanken kontrollieren oder jede Grenze überwinden. Manchmal ist es viel hilfreicher, wahrzunehmen, was gerade möglich ist, und dir genau dafür Raum zu geben.

Auch an Tagen, an denen wenig geht. Vielleicht gerade dann.


Mehr Klarheit für das, was wirklich zählt.

Die eigene Stimme wird lauter. Die Bedürfnisse klarer. Die Grenzen stärker. Und der Blick auf das große Ganze weiter.

Nicht unbedingt nach einer einzigen Yogastunde. Aber vielleicht Stück für Stück, mit jeder bewussten Pause und jedem Moment, in dem du dir selbst ein bisschen aufmerksamer begegnest.

Du lernst, genauer hinzuhören. Zu bemerken, was dir guttut, was dich Kraft kostet und wo du dir mehr Raum wünschen würdest.

Und manchmal nimmst du genau diese Erkenntnis mit von der Matte zurück in deinen Alltag.


Yoga muss nicht immer ruhig sein

Vielleicht ist das einer der wichtigsten Gedanken, die ich dir mitgeben möchte: Yoga muss nicht immer still, langsam oder entspannend sein, um dir guttun zu können.

Manchmal brauchst du Bewegung statt Stille. Einen kraftvollen Atemzug statt einer langen Meditation. Einen Positionswechsel, geschlossene Augen – oder gerade offene Augen, um dich besser orientieren zu können.


Was sich gut anfühlt, kann von Tag zu Tag unterschiedlich sein. Auch bei ADHS oder einem sensiblen, schnell reagierenden Nervensystem kann es hilfreich sein, die eigene Praxis flexibel zu gestalten und unterschiedliche Möglichkeiten auszuprobieren.


Es gibt nicht die eine richtige Art, Yoga zu praktizieren. Und es gibt auch keinen Zustand, den du am Ende einer Stunde unbedingt erreichen musst.

In meinem Verständnis von Yoga geht es nicht darum, dich in eine bestimmte Form zu bringen. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem du dich selbst besser wahrnehmen kannst.

Mit allem, was gerade da ist.


Was bedeutet Yogazeit für dich?

Vielleicht ist es deine kleine Auszeit vom Alltag. Vielleicht ein Moment, in dem du wieder mehr Energie spürst. Vielleicht eine Möglichkeit, dich selbst besser kennenzulernen und deine Bedürfnisse bewusster wahrzunehmen.

Und vielleicht ist es manchmal einfach nur eine Matte auf dem Boden, 75 Minuten Zeit und die Erlaubnis, für einen Moment nichts anderes tun zu müssen.

Du musst nicht besonders beweglich sein. Du musst nicht meditieren können. Und du musst auch nicht mit einem leeren Kopf von der Matte aufstehen.

Du darfst ausprobieren, was dir guttut. Du darfst deine Praxis verändern. Und du darfst dir erlauben, heute etwas anderes zu brauchen als gestern.

Denn Yogazeit ist keine weitere Aufgabe auf deiner To-do-Liste.

Sie ist Zeit, die du dir selbst schenkst. 🤍





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